Schlagwort: Gefängnisseelsorge

Aus der Tiefe rufe ich Herr, Herr, Herr

Die diesjährige Karfreitagsliturgie wurde durch die Jugend gestaltet. Von verschiedenen Orten lasen sie in verteilten Rollen sehr eindrücklich die Leidensgeschichte Jesu. Das habt ihr super gemacht!!!
An der Stelle der Predigt, sprach ein ehemaliger Häftling, der 1982 einen Raub begangen hatte. Bei seiner Flucht wurde ein Polizist erschossen. Nicht nur wegen unserer kränkelnden Mikrofonanlage war er oft nur sehr schwer zu verstehen. Gerade an den Stellen, wo er von seinen Fehlern sprach, versagte seine Stimme. Nach seiner Verurteilung zu 8 Jahren Gefängnis wegen Raubes und „Lebenslänglich“ wegen Mord, quälten ihn in seiner Stahlzelle Schlaflosigkeit und Alpträume. Schlimme Bilder, Erinnerungen an seine Kinder und immer wieder das Abrutschen, Ertrinken …
Der Chor sang von Otto Abel „Was hülfe(würde helfen) es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne(gewinnen würde) und nähme Schaden an seiner Seele“.
Heinrich selbst beschrieb wie sehr seine Seele verletzt war, er keinen Lebensmut mehr hatte. Um ihn herum nur Hass und Alpträume. In diese Not hörte er seine Mutter sagen: „Wenn nichts mehr weitergeht, fang an zu beten!“ Wie geht das? … Er versuchte und konnte schlafen. Das Schlafen tat so gut, hatte das Beten geholfen? Er bat um eine Bibel, begann zu lesen…
„Liebe deinen Nächsten , wie dich selbst.“ – Wie geht das, sich selbst lieben? Wie kann ich das lernen?
Begegnungen mit Emmausbrüdern, die ihn im Gefängnis besuchten und für ihn beteten und vieles Nachdenken hat ihn verändert. Er konnte dem Hass der Mitinsassen und Wärter einordnen, er kämpfte um Freigang bzw. seine Freilassung. Nach 13 Jahren konnte er das Gefängnis verlassen.
Eine bewegende Geschichte die mit der Kreuzesverehrung eine ganz besondere Tiefe bekam.
Jesus nimmt unsere Schuld auf sich, er will Vergebung. Er will, dass wir uns um unsere Seele kümmern.
Auferstehung (Aufstand) ist immer wieder möglich.
Uta Graba
 

Angela Mintert (12 Jahre) schreibt:
„Wenn nichts mehr weitergeht, fang an zu beten!“
Diesen Satz verstand ich als Neuanfang von H., den Mann der uns seine emotionale Lebensgeschichte erzählt hat.
Am Anfang zweifelte er, sich auf Gott einzulassen. Er spürte seine Wärme. Heinrich hatte sehr viele Wunder erlebt. Lebenslänglich verurteilt war er in Einzelhaft im Gefängnis, wo nur Neid,
Unterdrückung und Gewalt herrschen. Er wollte raus. Während der Zeit dachte er über berührende Sätze nach, die Personen wie Bruder Jan ihm erzählt hatten. Diese Personen beteten für ihn.
Er hatte fast gar nichts mehr, doch mit seiner Mission möchte er andere Leute zum Nachdenken oder Umkehren bewegen.
 

P.S. Die Kollekte war für einen Gefangenen, der nach der Entlassung in eine Suchtbehandlung möchte, bestimmt. Sie soll den Eigenanteil der Behandlungskosten decken helfen.
Zu unserer Verantwortungsgemeinschaft gehört auch die Gefängnis-Seelsorge unter Frau Angelika Lang. Wer über diese Arbeit mehr erfahren will, kann diesen Artikel von Frau Titze lesen bzw. über ihre ehrenamtliche Mitarbeit in der JVA Dresden hier.

Gefängnisseelsorgerin Angelika Lang

 

Einführung von Frau Angelika Lang in ihren Dienst als Seelsorgerin in der JVA Dresden

 

Mit einem eindrucksvollen Wortgottesdienst wurde am 4.11.17 Frau Angelika Lang als neue katholische Seelsorgerin der Justizvollzugsanstalt Dresden in ihr Amt eingeführt. Innerhalb weniger Monate konnte Frau Lang in ihrer neuen Wahlheimat Dresden ein ungewohntes Interesse am Leben innerhalb der Gefängnismauern wecken und so nahmen an ihrer Einführung neben einer Zahl angemeldeter und von der Anstaltsleitung genehmigter Gefangener auch eine Schar von Gästen teil, die von draußen kam und zu der ich gehörte. Mit uns feierten den Gottesdienst Pfarrer Thaddäus Posielek, Kaplan Florian Mroß, die evangelische Gefängnisseelsorgerin Pastorin Anneliese Zemmrich und Frau Elisabeth Neuhaus, die als Leiterin der Pastoralabteilung des Bischöflichen Ordinariates die Amtseinführung vornahm. Anwesend war auch der neue Anstaltsleiter Herr Jörn Goeckenjan.

Ein besonderer Geist verband und bewegte uns alle in diesen 90 Minuten.

Mit mehrstimmigem Gesang und Instrumentalspiel durften wir als Chor der Pfarrei Christus König Radebeul den Gottesdienst feierlich mitgestalten. Der Funke sprang über, als Jugendliche einer Band der International Christian Fellowship (ICF) gute Texte glaubhaft und mit großer Ausstrahlung interpretierten. Im Vorfeld hatten sie einige Lieder mit einem Chor Gefangener vorbereitet. Die dadurch entstandene, spürbare Vertrautheit der Jugendlichen dies- und jenseits der Mauern bewegte mich. Einer der Gefangenen las: „… so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus … sind wir Glieder, die zueinander gehören …“ (Röm 12,5) Was heißt das in aller Konsequenz, frage ich mich?

Alle Anwesenden schienen tief beeindruckt den Atem anzuhalten, als zwei ehemalige Gefangene mit eindringlichen Worten ihren Ausstieg aus dem kriminellen Milieu und ihr Angenommensein in der Gesellschaft schilderten, die ihnen mit Hilfe eines christlich orientierten Netzwerkes Ehrenamtlicher und Frau Lang möglich wurden.

Den berührenden Höhepunkt dieses Gottesdienstes bildeten für mich die Segensgesten und die persönlich ausgesprochenen Wünsche, unterstützt von unserem stillen Gebet, mit denen Frau Lang durch ihre Mitarbeiter und Wegbegleiter für ihren herausfordernden Dienst in den Gefängnissen von Dresden und Waldheim ausgerüstet wurde.

Ulrike Titze, Radebeul
 

Ehrenamtliche Mitarbeit in der JVA Dresden
Die JVA liegt nicht weit weg von unserer Kirche. Gefangene besuchen – ein Werk der Diakonie.
Wer selbst Gefangene besuchen möchte kann sich direkt an Frau A. Lang wnden: lang@verantwortungsgemeinschaft.church

ehrenamtliche Mitarbeit in der JVA Dresden

Meine Erfahrungen als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der JVA Dresden

Seit 4 Jahren besuche ich Ronny 2 x monatlich im Gefängnis. Wie kam ich dazu?
Es war unser damaliger Pfarrer Christoph Behrens, der einem Gefangenen Asyl im Pfarrhaus gewährte, als der nach 7 Jahren Haft seine neue Mietwohnung noch nicht beziehen, ein Pensionszimmer nicht weiter bezahlen konnte und um dieses Asyl bat. Diese bedingungslose Hilfsbereitschaft beeindruckte mich tief. In dieser Zeit habe ich Ronny als liebevollen, hilfsbereiten und offenen Menschen kennengelernt, der sich selbstverständlich in unserer Gemeinde engagierte. Nach einigen Wochen konnte Ronny seine eigene Wohnung beziehen. Leider wurde er nach kurzer Zeit erneut straffällig, was ich durch eine Frau unserer Gemeinde erfuhr, die das zufällig mitbekommen hatte. Ich suchte ihn daraufhin. Als ich ihn ein halbes Jahr nach seiner erneuten Inhaftierung das 1. Mal im Gefängnis besuchte, war ich sein 1. Besucher. Er weinte aus Scham. Seine zerrüttete Familie distanziert sich seit der wiederholten Straftat unversöhnlich von ihm, sie hat ihn aufgegeben. Ronny wurde zu 9 Jahren und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Das Gute in ihm ist bei jedem Besuch spürbar … Seine Patentante nahm kürzlich gegen die Argumente ihrer Familie zaghaft Briefkontakt mit ihm auf.

Es gibt in Dresden eine größere Zahl von Menschen aller Altersgruppen ab 20, die Gefangene besuchen. Dennoch gibt es nach wie vor viele Gefangene, die von niemandem besucht werden und sich Besuch wünschen oder Helfer, die sie auf ihren Freigängen kurz vor der Entlassung begleiten.
Für bereitwillige Besucher wiederum wird durch den Hammerweg e.V. kostenlos Supervision zum Austausch und Verarbeiten von Erfahrungen angeboten.
Vor allem aber sei allen Interessierten der Kontakt über die neue Seelsorgerin Frau Lang mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem aktuellen Seelsorgekonzept empfohlen.

Kontakt über Frau A. Lang: lang@verantwortungsgemeinschaft.church

Ulrike Titze, Radebeul