Krankensalbung

Jesus selbst hat sich immer wieder der Verwundungen des Menschen angenommen. Er begegnete den Sündern, Armen, Einsamen und Kranken und schenkte ihnen mit seiner Nähe Heil und Segen. Er machte sich in den Verwundungen der Menschen selbst berührbar.
Schon die ersten Gemeinden machten sich das Vorbild Jesu zu eigen und nahmen sich der Kranken in besonderer Weise an. In der Bibel im Brief des Jakobus (Kapitel 5,14f.) wird ausdrücklich von der Handauflegung durch die Ältesten der Gemeinde und der Salbung mit Öl zur leiblichen und geistlichen Stärkung des Menschen gesprochen: „Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“
Seit dem 9. Jahrhundert wird die Krankensalbung zunehmend zum Bußritual am Lebensende (Lebensbeichte) und damit zur „Letzten Ölung“ (nach Taufe, Firmung, Priesterweihe). Damit wird die Krankensalbung nach und nach zum Sakrament der Sterbenden.
Erst durch die liturgisch-pastorale Neubesinnung des vergangenen Jahrhunderts ist die ursprüngliche Bedeutung des Sakramentes wiedergewonnen worden. Der Mensch soll in seinem Leiden aufgerichtet und nicht auf den Tod vorbereitet werden.

Mit dem Heiligen Öl der Kranken, welches in der Karwoche vom Bischof geweiht wurde, werden Hände und Stirn gesalbt als Zeichen dafür, dass Gott uns auch dort nahe ist, wo wir an die Grenzen unseres Lebens kommen. Da, wo wir mit unseren eigenen Möglichkeiten zu Ende sind, in der Erfahrung von körperlicher, aber auch geistiger Schwäche der Erkrankung.
Florian Mroß und Jochen Schubert

(nach: Adolf Adam Ruprecht Berger, Krankensalbung, in: Pastoralliturgisches
Handlexikon, Freiburg i. Br. 1980, 281ff.)