Feierabendgottesdienst 11. Mai in St. Martin

Gemeinsam mit 40 anderen Lustigen tranken wir uns mit Erdbeerbowle und Sekt Mut an. Dann sprangen wir ins Abenteuer und stellten uns der existentiellen Frage nach uns selbst. Schnell war klar: Die Natur spielt mit uns ein Nullsummenspiel, Asche zu Asche, Staub zu Staub. Gibt es einen höheren Sinn als unser Gene weiterzugeben und dann abzutreten? Johnny Cash meinte: „Ain‘t no grave can hold my body down“. Auf die richtige Fährte gebracht, waren wir uns schnell einig: Liebe verlangt Ewigkeit! Der Philosoph Blaise Pascal zeigte uns: Eine unendliche Liebe, die uns aus der bloßen Zufälligkeit unseres Daseins herausreißt und jeden einzelnen Menschen absolut wichtig und unverzichtbar macht, muss es geben! Das wollte Thomas so nicht stehen lassen bis ihm schließlich die unendliche Liebe face to face begegnete. Dann gesellte sich noch Karl Marx zu uns, der meinte, wir seien viel zu theoretisch und überhaupt lenke das religiöse Geschwafel über Unendlichkeit nur ab von den drängenden Fragen im hier uns jetzt. Charlie Chaplin hielt dagegen und sagte, die unendliche Liebe setze einen einzelnen, besser gesagt jeden einzelnen, zufälligen Menschen als absolut nicht gleichgültig, als nicht beliebig, als unbedingt kostbar und wo diese Art von Menschlichkeit mit Füßen getreten wird, bedeute glauben, dagegen zu rebellieren, aufständisch zu werden. Am Ende waren wir uns einig: Dieser Feierabendgottesdienst muss gründlich verdaut werden.
Peter Jost